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Maulkorb für Hunde: Worauf achten?

7 min Lesezeit

Der Maulkorb für den Hund hat einen schlechten Ruf und sorgt bei uns Menschen für gemischte Gefühle, oftmals auch für Ablehnung. Dabei gibt es viele Vorurteile und falsche Vorstellungen über Hunde mit Maulkorb. Wir zeigen dir, welche Vorteile ein Maulkorb bietet, welche Unterschiede es gibt und wie du deinen Hund daran gewöhnen kannst.

 

Maulkorb für den Hund: Warum überhaupt?

Es gibt einige Situationen, in denen Hundehalter ihrem Haustier einen Maulkorb anlegen sollten oder sogar dazu verpflichtet sind: 

  • Wenn der Hund neu adoptiert wurde: Gerade wenn der Hund aus dem Tierheim kommt, kannst du sein Verhalten noch nicht wirklich gut einschätzen und weißt nicht, wie er in verschiedenen Situationen reagiert. Hier kann eine Leine und ein Maulkorb Sicherheit geben, vor allem, wenn du mit deinem neuen Hund in unbekannten Umgebungen unterwegs bist, die ihn möglicherweise nervös oder ängstlich machen. 

  • Pflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln: Wusstest du, dass die Deutsche Bahn für alle mitreisenden Hunde einen Maulkorb vorschreibt? Auch in einigen anderen öffentlichen Verkehrsmitteln besteht eine Maulkorb-Pflicht, zum Beispiel auch in den meisten Gondeln. Theoretisch sind die Schaffner dazu ermächtigt, dich und deinen Hund bei einem Verstoß gegen die Maulkorbpflicht an der nächsten Haltestelle zum Aussteigen anzuhalten.  

  • Bei Auslandreisen: In jedem Land gibt es andere Regeln zum Umgang mit Hunden in der Öffentlichkeit. Mancherorts herrscht eine Leinen- oder Maulkorbpflicht oder du musst zumindest immer einen Maulkorb mitführen und bei Aufforderung anlegen. Mache dich am besten rechtzeitig mit den Regelungen deines jeweiligen Reiselandes vertraut, bevor du mit dem Hund verreist

  • Für bestimmte Hunderassen: Für manche Hunderassen – sogenannte Listenhunde – besteht eine generelle Maulkorbpflicht. Welche Rassen dazu zählen, das wird unterschiedlich gehandhabt. Gehört dein Hund allerdings zu den Listenhunden, dann besteht außerhalb der Wohnung und des eigenen Grundstücks jederzeit Maulkorbzwang. Teilweise kann dieser Zwang durch einen Wesenstest oder eine Erkrankung bei deinem Hund aufgehoben werden. Informiere dich über die Regelungen in den verschiedenen Ländern und Bundesländern. 

  • Als Giftköderschutz beim Hund: Manche Hunde sind schwer davon abzubringen, alles, was sie finden und für essbar halten, gierig zu fressen. Leider können darunter auch schädliche Dinge sein: Müll, verdorbene Essensreste oder im schlimmsten Fall sogar Giftköder. Ein Maulkorb, wenn dein Hund alles frisst, kann eine gute Sache sein und dient in diesem Fall als Selbstschutz für den Hund. 

  • Beim Tierarztbesuch: Wenn Hunde Schmerzen haben oder verletzt sind, dann reagieren sie hin und wieder auch unberechenbar und schnappen aus Angst oder Schmerzen zu. Dies kann auch beim Tierarztbesuch der Fall sein. Außerdem kann es sein, dass dein Hund im Wartezimmer auf andere Tiere trifft, was zusätzlichen Stress für ihn bedeuten kann. Ein Maulkorb für den Hund dient dazu, sich selbst und den Tierarzt zu schützen, auch wenn dein Hund normalerweise lieb ist. 

  • Als Wundschutz: Nach Operationen bekommen Hunde vom Tierarzt gern spezielle Trichter, die sie tragen müssen, damit sie die Wunde nicht ablecken können. Allerdings kommen viele Hunde in ihrem Alltag damit nicht so gut zurecht: ein Maulkorb kann als Wundschutz ist in manchen Fällen eine angenehmere Variante sein. Dies ist immer mit dem Tierarzt abzustimmen. 

  • Hunde mit Vorgeschichte: Manche Hunde haben tatsächlich auch eine Vorgeschichte, bei der es angezeigt ist, wegen unerwünschtem Verhalten in der Vergangenheit vorsichtshalber einen Beißkorb zu tragen. Ein paar von ihnen sind einfach auch besonders ängstlich, aggressiv oder unberechenbar – besonders, wenn der Hund selbst einmal ein traumatisches Erlebnis hatte. Ein Hund mit einem Maulkorb hat außerdem den positiven Nebeneffekt, dass andere lieber einen großen Bogen um ihn machen und auf Distanz bleiben, so dass es gar nicht erst zu direkten Konfrontationen kommt. 

Welcher Maulkorb für meinen Hund?

Es gibt viele Arten von Hundemaulkörben: für verschiedene Zwecke, in den jeweiligen Größen und aus unterschiedlichen Materialien: 

  • Biothane-Maulkorb: Diese Maulkörbe sind aus beschichtetem Polyestergewebe und besonders gut zu verstellen und anzupassen. Biothane ist ein widerstandsfähiges und weiches Material, das leicht zu reinigen ist. Biothane Maulkörbe gibt es in vielen bunten Farben, sie sehen dadurch wesentlich freundlicher aus als andere Maulkörbe für Hunde. Das Material ist außerdem geschmeidig, witterungsbeständig, leicht und lässt sich gut verstauen. Auch für Maulkörbe nach Maß wird häufig Biothane verwendet. 

  • Drahtmaulkorb: Drahtmaulkörbe bieten hohen Beißschutz bei gutem Tragekomfort und sind besonders für Hunde mit Maulkorbpflicht geeignet. Optisch wirken sie eher abschreckend, bieten dem Hund aber die Möglichkeit zum Trinken und Hecheln. 

  • Maulkorb aus Leder: Sie sind oft angenehmer zu tragen, weil sie weicher sind. Manche Hunde mögen allerdings den Ledergeruch nicht. Leder ist leider auch weniger langlebig, da es sich durch den Speichel des Hundes schneller abnutzt. 

  • Maulkorb aus Stoff oder Nylon: Maulkörbe für Hunde aus solchen weichen Materialien sind nur für kurze Einsätze gedacht. Manchmal kann der Hund damit auch nicht richtig hecheln, dann ist der Einsatz besonders an warmen Tagen auf wenige Minuten zu beschränken. Aber für den Tierarztbesuch erfüllen sie ihren Zweck. 

  • Maulkorb aus Silikon: Solche Maulkörbe bieten eine besonders ergonomischere Passform durch das flexible Material, bleiben aber dennoch formstabil. Trinken, hecheln und die Aufnahme von Leckerlis sind problemlos damit möglich. 

  • Maulkorb aus festen Kunstoffen: Diese sind stabil, robust und gelten als besonders sicher. Es gibt sie häufig in Form eines Gitterkorbes. Sie sind auch unter dem Namen „Baskerville Maulkorb“ bekannt und gehören zu den bekanntesten und gängigsten Maulkörben für Hunde. Baskerville Maulkörbe umschließen die komplette Schnauze und werden im Nacken befestigt. Sie sind auch deshalb so beliebt, weil der Hund damit frei atmen kann. Außerdem kann er damit trinken und Leckerlis aufnehmen. Gittermaulkörbe sehen zwar abschreckend aus, sind für den Hund aber meistens ganz angenehm zu tragen. Leicht und unkompliziert zu reinigen sind sie auch. 

 

Maulkorb beim Hund: Richtige Größe finden

Wie sich beim Maulkorb für deinen Hund die richtige Größe finden lässt und worauf du achten solltest, erfährst du hier.  

  1. Die Schnauze des Hundes ausmessen: Nehme Maß von der Nasenspitze zur Augenlinie und messe die Länge des Nasenrückens. Auch der Schnauzen-Umfang muss vermessen werden. Um die passende Größe zu finden, gebe noch 1-2 cm an Länge und 2-4 cm zum Schnauzen-Umfang hinzu. Die genaue Zugabe ist immer auch vom gewählten Material abhängig. Wenn du einen richtig ergonomischen Maulkorb für deinen Hund möchtest, dann kannst du ihm auch einen Maulkorb nach Maß anfertigen lassen. 

  1. Der Maulkorb muss in erster Linie gut passen: Er sollte deinem Hund nicht in die Augen rutschen oder das Sehen beeinträchtigen. Er darf nicht so groß sein, dass der Hund ihn abstreifen kann, aber auch nicht zu eng, damit er damit noch gut hecheln kann. Wenn das nicht möglich ist, kann das Tragen eines falschen Maulkorbs bei Überhitzung zum Kreislaufkollaps führen. Gerade bei Rassen mit kurzen Schnauzen ist das besonders wichtig.  

  1. Dort, wo der Maulkorb anliegt, sollte er aus weichem Material oder gut gepolstert sein. 

  1. Der Maulkorb darf den Hund nicht in seiner Bewegungsfreiheit einschränken und er sollte damit ungehindert atmen, hecheln und trinken können.  

Hund an einen Maulkorb gewöhnen

Um das Anlegen des Maulkorbs für sich selbst und Ihren Hund bequemer zu gestalten, kannst du mit deinem Hund folgende Variante trainieren:

  1. Setze dich hin und halte den Maulkorb zwischen deine Knie.  

  1. Trainiere deinen Hund, auf einen bestimmten Befehl herzukommen (wie zum Beispiel „Nase“, um die Nase in den Maulkorb zu stecken). 

  1. Anfangs wird der Maulkorb nicht verschlossen und der Hund erhält zur Belohnung ein Leckerli.  

  1. Nach einigen Durchgängen schließt du den Maulkorb ganz kurz und öffnest ihn wieder. So gewöhnst du deinen Hund Schritt für Schritt an eine längere Tragedauer mit Maulkorb. 

Es ist wichtig, dass der Maulkorb zunächst mit nichts Negativem verknüpft wird, bis dein Hund ihn als selbstverständlich betrachtet. Schenke deinem Hund besonders viel Beachtung und Aufmerksamkeit, immer wenn er den Maulkorb trägt, so dass sich sein Verhalten für ihn auch lohnt! Kuschel auch mit Maulkorb viel mit ihm und integrieren Sie das Tragen eines Maulkorbs nach und nach in seinen Alltag. 

Mit regelmäßigem Training ist eine gute Maulkorbgewöhnung in zwei bis vier Wochen durchaus umsetzbar, bevor es mit dem Tragen ernst wird.

 

Fazit: Ist ein Maulkorb Tierquälerei?

Wenn ein Hund gelernt hat, einen Maulkorb zu tragen und er daran gewöhnt ist, dann fällt der Stress für den Hund damit weg und es wird selbstverständlich. Passt der Maulkorb optimal dem Hund, dann geht es ihm ähnlich wie Brillenträgern, die ihre Brille schon gar nicht mehr spüren. Wenn der Hund den Maulkorb mit etwas Positivem verknüpft, dann ist das Tragen eines Maulkorbs keine Qual für ihn. Wichtig ist, dass der Maulkorb ihn nicht einschränkt, ihm nirgends weh tut und er damit gut atmen, hecheln und trinken kann. Wenn man sich eine Weile genauer mit dem Thema beschäftigt hat, stellt sich heraus, dass ein Hundemaulkorb in vielen Fällen oftmals schlimmer aussieht, als er tatsächlich ist!