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Hund mit Maulkorb läuft an der Leine

Aggressiver Hund – was tun?

6 min Lesezeit

Es gibt viele Gründe, warum Hunde sich aggressiv verhalten können. In schweren Fällen empfiehlt es sich Hilfe von Experten zu holen – beispielsweise vom Tierarzt oder Hundetherapeuten. Denn ein aggressiver Hund kann zu einer ernsthaften Gefahr für Menschen und seine Artgenossen werden. Doch eines ist auch klar: Kein Tier ist von Natur aus bösartig und aggressives Verhalten erfolgt eigentlich nur aus einem Überlebensinstinkt heraus.
Erfahre hier mehr über die Ursachen von aggressivem Verhalten bei Hunden und Tipps, wie man es unterbinden kann.

 

Warum werden Hunde aggressiv?

Hunde werden selten von heute auf morgen plötzlich aggressiv. Ein aggressiver Hund ist in den allermeisten Fällen ein Hund, der sich in einer bestimmten Situation unwohl fühlt oder Angst hat. Dazu kommt, dass fehlerhafte Sozialisierung oder Erziehung durch den Hundehalter unerwünschtes aggressives Verhalten verstärken kann. Die meisten Aggressionen entstehen nur, weil Besitzer ihre Hunde unwissentlich in Situationen bringen, mit denen sie nicht zurechtkommen.
Hier siehst du die häufigsten Ursachen bzw. Gründe für aggressives Verhalten bei Hunden:

  • Angstaggression: Aggression bei Hunden entsteht fast immer aus Angst. Der Hund befindet sich in einer Situation, die er als bedrohlich empfindet und will sich verteidigen. Auch unangenehme oder traumatische Erfahrungen in der Vergangenheit können eine Ursache für eine „Angststörung bzw. Angstaggression“ bei Hunden in bestimmten Situationen sein.
  • Missglückte Sozialisation: Die Früherziehung als Welpe durch Menschen und Artgenossen hat nicht stattgefunden oder war gestört. Wie du deinen Welpen am besten sozialisieren kannst, dazu haben wir hier Infos für dich zusammengestellt. Mit Fachtierärzten für Verhaltenskunde oder erfahrenen Hundetrainern ist es eventuell möglich, die fehlende Sozialisation nachzuholen.
  • Falsche Erziehung: Manchmal geschieht die fehlerhafte Erziehung nicht aus Nachlässigkeit, sondern aus der Unwissenheit heraus. Ungeeignete Erziehungsmethoden, die schlechtes Verhalten noch verstärken, irritierendes Feedback von uns Menschen aus „Hundesicht“ können zur Verunsicherung des Hundes führen. Auch können nicht alle Hundehalter die Körpersprache ihres Hundes richtig verstehen und dadurch seine Gefühle nicht erkennen oder richtig interpretieren. Oft ist es sogar der Fall, dass Halter ihren Hund für sein aggressives Verhalten belohnen, in dem sie sanft und beruhigend auf ihn einreden oder sogar streicheln. So kann der Hund allerdings die falsche Schlussfolgerung daraus ziehen, dass er liebevolle Aufmerksamkeit dafür bekommt, wenn er sich aggressiv verhält.
  • Hund absichtlich „scharf machen“: Gerade bei Rassen mit einer hohen Beißkraft und niedrigen Reizschwelle können Hunde vom Halter teilweise absichtlich als Waffe missbraucht und zum aggressiven Kampfhund erzogen werden. Hierbei werden die Hunde von den Besitzern besonders für ihr aggressives Verhalten gelobt und belohnt.
  • Schmerzen: Durch eine Erkrankung ausgelöste Schmerzen können einen Hund dauerhaft reizen und zu aggressivem Verhalten führen. Deshalb solltest du auch immer zuerst deinen Tierarzt aufsuchen, wenn sich dein Hund plötzlich aggressiv verhält, um eventuelle Krankheiten auszuschließen und deinem Hund unnötiges Leid zu ersparen.
  • Selbstverteidigung: Wenn dein Hund sich von Menschen oder Artgenossen in seiner Freiheit eingeschränkt fühlt.
  • Schutzaggression: Dein Hund möchte seine Familienmitglieder vor Feinden und Eindringlingen schützen und verteidigen.
  • Wettbewerbsaggression: Ein Hund will immer seine wichtigsten Objekte (wie z.B. Futternapf, Spielzeug, Schlafplatz) vor anderen Mitgliedfern des Rudels verteidigen, schützen und seinen Rang im Rudel sichern.
  • Unangemessener Jagdtrieb: Besonders bei Jagdhunden lösen schnelle Bewegungen einen Jagdinstinkt aus, bei dem dann leider auch Radfahrer, Jogger etc. als „Beute“ fehlinterpretiert werden und durch den Hund Schaden nehmen können.
  • Neurologische Krankheiten: In seltenen Fällen kann auch eine neurologische Krankheit mit Veränderungen im Gehirn aggressives Verhalten bei Hunden auslösen.
  • Tollwut: Auch Tollwut oder andere Infektionskrankheiten können die Ursache von besonders aggressivem Verhalten sein.

 

Wie verhält sich ein aggressiver Hund?

Aggressives Hundeverhalten kann Folgendes umfassen:

  • Hund reagiert aggressiv auf andere Hunde
  • Hund ist plötzlich aggressiv gegen Halter
  • Hund ist aggressiv gegen Besucher
  • Hund ist aggressiv gegen Familienmitglieder
  • Hund ist aggressiv gegenüber Kleinkindern
  • Hund ist an der Leine aggressiv
  • Bewachen von Dingen (z. B. Futter, Leckerlis oder Spielzeug)

Es gibt verschiedene Warnsignale, durch die dir dein Hund anzeigen kann, dass er besorgt, ängstlich oder gestresst ist. Wenn du diese erkennst, kannst du dafür sorgen, dass sich dein Hund wieder sicher und stressfrei fühlt. So kannst du aggressives Verhalten verhindern, lange bevor es entsteht. Oft beißen Hunde aus Selbstverteidigung, weil sie das Gefühl haben, dass dies ihr letzter Ausweg ist, wenn zuvor alle anderen Warnzeichen ignoriert wurden.

Welches sind aber nun die Warnsignale im Vorfeld auf der Leiter der Aggressionsspirale und wie sieht ein aggressiver Hund aus?

Anzeichen eines aggressiven Hundes:

  1. Gähnen oder Lecken der Lefzen: Gähnen, blinzeln oder das Lecken an der Schnauze sind die ersten Anzeichen dafür, dass sich dein Hund unwohl fühlt. Wenn ihm etwas Unbehagen verursacht, kannst du das daran erkennen, dass er seinen Kopf davon wegdreht und das Weiße seiner Augen zu Tage tritt. Am besten reagierst du darauf, indem du deinen Hund aus der Situation befreist, die ihm unangenehm ist.
  2. Kauern mit eingezogenem Schwanz: Offensichtlichere Signale der nächsten Stufe sind z. B. dass dein Hund mit eingeklemmtem Schwanz zwischen den Beinen kauert, die Pfote anhebt die Lefzen leicht hochgezogen sind und der Nasenrücken in Falten gelegt ist. Oder du bemerkst, dass dein Hund sehr steif und still wird. Dies sind alles Warnzeichen für Aggressionen beim Hund, auf die du achten solltest. Wenn dein Hund in einer geduckten Körperhaltung mit dem Schwanz wedelt, dann ist das übrigens kein freundliches Signal, sondern kann ein Anzeichen für innere Konflikte sein: zum Beispiel dass er ängstlich oder besorgt ist.
  3. Knurren als allerletzte Warnung: Bei der nächsten Stufe auf der Aggressionsspirale kann es sein, dass dein Hund knurrt. Vielen Menschen fällt jetzt erst auf, dass etwas nicht stimmt, aber für den Hund ist dies meist schon eine letzte Warnung. Durch das Knurren kann dein Hund ausdrücken, dass er sich ängstlich oder erregt fühlt. Es ist eine sehr deutliche Warnung, die höchstwahrscheinlich zu einem Biss führen wird, wenn sich die Situation nicht ändert. Wir sollten darauf achten, dass unsere Hunde sich nicht so unwohl fühlen, dass sie uns das mit einem Knurren mitteilen müssen. Wenn sie es doch tun: Höre auf deinen Hund!

Wichtiger Tipp: Wenn diese frühen Warnzeichen wiederholt ignoriert werden und du deinem Hund erst hilfst, wenn er knurrt oder schnappt, dann wird er bald lernen, dass Knurren oder Schnappen die einzige Möglichkeit ist, um seinen Gefühlen Gehör zu verschaffen und er wird direkt auf diese Sprosse der Aggressions-Spirale springen, wenn er gestresst ist! Als Hundehalter ist es unsere Aufgabe, sich in den Hund hineinzuversetzen und ihm dabei zu helfen, dass er sich sicherer und wohler fühlt!

Aggressiver Hund: Wie soll ich mich verhalten?

Als erstes ist es wichtig, die Ursache bzw. den Grund für sein aggressives Verhalten zu erkennen. Wenn der Grund für sein Verhalten nicht offensichtlich ist, suche unbedingt Rat beim Tierarzt oder einem erfahrenen Hundetherapeuten. Die meisten Aggressionen entstehen nur, weil Besitzer ihre Hunde unwissentlich in Situationen bringen, mit denen sie nicht zurechtkommen. Wenn Aggression zu einem immer wiederkehrenden Verhalten wird oder wenn du dich selbst in irgendeiner Weise von deinem Hund bedroht fühlst, dann solltest du dir baldmöglichst professionelle Hilfe suchen. Versuche nicht, Aggressionen bei Hunden selbst zu behandeln. Suche dir einen Fachtierärzten für Verhaltenskunde oder anerkannten, erfahrenen Verhaltenstherapeuten für Hunde, der dich unterstützt.

Zunächst muss dein Hund mit ihm zusammen die wichtigsten Gehorsamsregeln lernen und verlässlich befolgen. Erst danach kann man beginnen, den Hund mit gezieltem Training gegenüber den aggressionsauslösenden Reizen unempfänglicher zu machen.

Wenn du die Ursache für seine Aggressionen kennst, dann sorge zunächst dafür, dass sich die Situation möglichst nicht wiederholt und vermeide den Auslöser. Und zwar so lange, bis du professionelle Unterstützung gefunden hast. Und gehe niemals ein Risiko ein: Vorsicht ist in jedem Fall besser als Nachsicht!

aggressiver Hund

Mein Hund ist aggressiv bei Spaziergängen

Wenn sich dein Hund draußen aggressiv gegenüber Menschen oder anderen Hunden verhält, solltest du ihn an der Leine führen und in Erwägung ziehen, deinem Hund einen Maulkorb anzulegen, wenn du mit ihm in der Öffentlichkeit unterwegs bist. Damit dies für ihn nicht unangenehm wird, kannst du dich vorher über die Vorgehensweise informieren und unseren Beitrag über Maulkörbe dazu lesen.

Wenn du deinen Hund nicht an der Leine führen kannst, solltest du ihn nicht mit in die Öffentlichkeit nehmen, bis ihr professionelle Hilfe in Anspruch nehmen könnt. Dies kann zwar die Frustration deines Hundes erhöhen, aber die Sicherheit geht immer vor! Trainiere und spiele stattdessen mit deinem Hund im sicheren Garten, arbeite mit belohnungsbasierten Methoden an seinem Training und biete ihm viel geistige Beschäftigung mit bereicherndem Spielzeug und Spielen. Dies wird helfen, Energie abzubauen und die Bindung zwischen euch zu verbessern, bis euch ein Verhaltenstherapeut helfen kann.

 

Mein Hund verhält sich aggressiv gegen Besucher

Wenn dein Hund aggressiv gegenüber Besuchern im Haus wird, solltest du ihn vorher lieber wegsperren, bevor du die Tür öffnest und deine Gäste begrüßt. Manche Hunde haben ein Problem damit, wenn Menschen in ihr vermeintliches Revier eindringen. Jedoch solltest du dieses Verhalten nicht dauerhaft tolerieren, sondern mit fachlicher Hilfe daran arbeiten.

 

Hund reagiert aggressiv auf andere Hunde

Wenn es in deinem Zuhause zu Aggressionen zwischen deinen Hunden kommt, dann halte sie lieber in getrennten Räumen, führe sie einzeln aus und füttere sie einzeln, bis du professionelle Hilfe bekommst.

Wenn ein Kampf zwischen zwei Hunden ausbricht, versuche bitte NIEMALS, sie mit deinen Händen zu trennen - in dem Durcheinander kannst du sonst ernsthaft dazwischengeraten und gebissen werden. Deine eigene Sicherheit sollte an erster Stelle stehen: Halte also lieber ordentlich Abstand, da es möglich ist, dass die Hunde ihre Aggressionen sonst auf dich umlenken. Hundekämpfe sehen meist schlimmer aus, als sie sind und in den allermeisten Fällen werden sich die Hunde schließlich von selbst trennen. Wenn der Kampf allerdings ewig dauert, dann kannst du versuchen, die Hunde abzulenken: indem du beispielsweise an der Tür klingelst, sie mit Wasser oder einem Handtuch bewirfst oder sie durch laute Geräusche verschreckst, z. B., indem du auf Töpfe mit einem Holzlöffel schlägst. So ein Überraschungsmoment kann einem der Hunde die Chance geben, sich aus dem Kampf zu entfernen.

 

Hündin reagiert aggressiv auf andere Hündinnen

Am schwierigsten zu therapieren sind Aggressionen zwischen weiblichen Hündinnen, vor allem, wenn sie in einem Haushalt leben. Manche streiten sich ständig und kämpfen um so ziemlich alles - Futter, Aufmerksamkeit und Schlafplätze. Wenn du mit professioneller Hilfe die Konflikte zwischen den Hunden nicht lösen kannst, ist in letzter Instanz die Lösung einen der Hunde zur Sicherheit und zum Seelenfrieden aller abzugeben. Auch wenn sich die Besitzer oft gegen diese Lösung wehren, sind Hunde in dieser Situation permanent in einem hohen Maß an Stress ausgesetzt und deshalb kann es wirklich die beste Lösung für alle Beteiligten sein.

Wenn du mehrere Hunde halten möchtest, ist es einfacher, wenn diese möglichst unterschiedlich sind – und zwar in Rasse, Geschlecht und Alter. Je unterschiedlicher zwei Hunde sind, desto wahrscheinlicher ist es, dass sie sich verstehen, da sie unterschiedliche Vorlieben haben und weniger miteinander konkurrieren. Die Haltung von zwei Hunden desselben Geschlechts und derselben Rasse kann manchmal problematisch werden, da sie um dieselben Dinge wetteifern und es daher häufiger zu Streitigkeiten kommt, die zu ernsthaften Kämpfen eskalieren können.

 

Was tun, wenn ein Hund angreift?

Wenn du plötzlich von einem aggressiven Hund angegriffen wirst, dann versuche nicht wegzurennen, sondern bleib lieber ganz ruhig stehen, auch wenn es schwerfällt. Weglaufen kann nämlich seinen Jagdinstinkt noch weiter anstacheln. Am besten stellst du dich nicht frontal gegenüber dem Hund hin, sondern seitlich abgewandt. Versuche, ganz ruhig zu bleiben und fuchtle nicht mit den Armen vor dem Hund herum, dann hast du die besten Chancen, dass er das Interesse an dir verliert. Falls der Hund trotzdem entschlossen scheint, zuzubeißen, dann versuche ihm ein Ersatzobjekt hinzuhalten, in das er stattdessen beißen kann, wie z.B. eine Tasche oder ähnliches.

 

Aggressive Hunderassen

Wie bei uns Menschen auch, gibt es in jeder Hunderasse verschiedene Charaktere mit unterschiedlichem Temperament: Manche Hunde sind von Haus aus relaxter, andere haben eine niedrigere Reizschwelle. Bei den sogenannten „Listenhunden“ sind in Deutschland diejenigen Hunderassen aufgeführt, die speziell auf eine hohe Beißkraft und niedrigere Reizschwelle gezüchtet worden sind. (z.B. Pitbulls, verschiedene Terrier-Arten, Doggen). Bei artgerechter Haltung und verantwortungsvoller Erziehung können aber auch diese Listenhunde friedlich im Familienverbund leben.

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